Ei, Erdnuss und Co.: Allergene sicher einführen
Aktualisiert am 20. Oktober 2026
Die kurze Antwort
Allergene hinauszuzögern schützt nicht vor Allergien. Das ist die klare Aussage der deutschen Leitlinie zur Allergieprävention, auch für Babys mit erhöhtem Allergierisiko. Führe die üblichen Lebensmittel, also auch Ei, Milch, Weizen und Fisch, ganz normal mit der Beikost ein, eins nach dem anderen. Für Hühnerei empfiehlt die Leitlinie ausdrücklich, es gut durcherhitzt schon mit der Beikost zu geben. Bei Erdnuss und starker Neurodermitis sprich vorher mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt.
Warum nicht warten?
Früher hieß es oft, "allergene" Lebensmittel erst spät zu geben. Studien haben gezeigt, dass das nicht vor Allergien schützt. Wahrscheinlich ist es sogar eher günstig, wenn dein Baby verschiedene Lebensmittel schon im ersten Lebensjahr regelmäßig isst. Deshalb gibt es heute keine Empfehlung mehr, bestimmte Lebensmittel zu meiden, solange dein Baby nicht schon eine bekannte Allergie hat.
Welche Lebensmittel sind gemeint?
Die meisten Nahrungsmittelallergien bei Babys gehen auf eine kleine Gruppe zurück: Kuhmilch, Hühnerei, Erdnuss, Baumnüsse, Weizen, Soja, Fisch und Sesam. Diese führst du am besten einzeln ein, damit du bei einer Reaktion weißt, woher sie kommt.
Hühnerei
- Immer gut durcherhitzt: zum Beispiel ein hart gekochtes Ei, fein zerdrückt und in den Gemüsebrei gerührt, oder im Rahmen eines durchgebackenen Rezepts. Kein rohes oder weiches Ei.
- Klein anfangen: zuerst ein Teelöffel, dann langsam mehr.
- Dranbleiben: Wenn dein Baby Ei gut verträgt, biete es danach regelmäßig an, zum Beispiel ein- bis zweimal pro Woche.
Erdnuss
Für Erdnuss gibt es in Deutschland keine allgemeine Empfehlung, sie gezielt früh zu geben. Erdnussallergien sind hier seltener als etwa in den USA. Wichtig ist:
- Keine ganzen oder halben Erdnüsse: Sie sind für Kinder bis etwa 4 bis 5 Jahre ein Erstickungsrisiko.
- Wenn, dann altersgerecht: zum Beispiel ein wenig ungesalzenes, ungesüßtes 100-%-Erdnussmus, glatt in den Brei gerührt.
- Bei Neurodermitis: Hat dein Baby Neurodermitis und wird in eurer Familie regelmäßig Erdnuss gegessen, kann es sinnvoll sein, Erdnuss regelmäßig mit der Beikost zu geben. Lass vorher in der Kinderarztpraxis abklären, ob schon eine Allergie besteht.
Milch, Weizen, Fisch und Sesam
- Kuhmilch: Im Milch-Getreide-Brei ist Vollmilch ab dem zweiten Brei üblich. Als Getränk gibst du Kuhmilch erst gegen Ende des ersten Lebensjahres.
- Weizen und andere glutenhaltige Getreide: in kleinen Mengen mit der Beikost, zum Beispiel als Vollkornflocken im Brei oder als ein Stück Brot.
- Fisch: Ein- bis zweimal pro Woche kannst du im Gemüse-Kartoffel-Brei das Fleisch durch Fisch ersetzen, zum Beispiel Lachs oder Seelachs, gut gegart und ohne Gräten.
- Sesam: zum Beispiel als ein wenig Tahin (Sesammus), in den Brei gerührt.
So führst du ein neues Allergen ein
- Gib beim ersten Mal eine kleine Menge, etwa einen Teelöffel.
- Am besten am Vormittag, damit du dein Baby danach ein paar Stunden beobachten kannst.
- Nur ein neues Allergen auf einmal. Fang Ei und Erdnuss nicht am selben Tag an.
- Wähle einen Tag, an dem dein Baby gesund ist.
- Klappt alles, steigere die Menge und biete das Lebensmittel danach regelmäßig an.
Woran du eine Reaktion erkennst
Eine allergische Reaktion kommt meist innerhalb von Minuten bis etwa zwei Stunden nach dem Essen.
- Leichte Reaktion: rote Flecken oder Quaddeln um den Mund oder am Körper, Juckreiz, eine geschwollene Lippe, Erbrechen oder Bauchweh. Gib das Lebensmittel nicht mehr und sprich mit deiner Kinderarztpraxis, bevor du es wieder anbietest.
- Schwere Reaktion: Atemnot, Pfeifen oder Husten, Schwellung von Zunge oder Rachen, starke Blässe oder Schlappheit. Ruf sofort den Notruf 112.
Wenn es in der Familie Allergien gibt
Hat dein Baby starke Neurodermitis oder schon eine bekannte Nahrungsmittelallergie, oder haben Eltern oder Geschwister eine Nahrungsmittelallergie, sprich vor der Beikost mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt. Manchmal wird empfohlen, ein Allergen das erste Mal unter ärztlicher Aufsicht zu geben.
Häufige Fragen
Wann darf mein Baby Ei essen?
Schon mit der Beikost, also ab dem 5. bis 7. Monat, immer gut durcherhitzt, zum Beispiel als hart gekochtes Ei, fein zerdrückt im Brei. Die deutsche Leitlinie zur Allergieprävention empfiehlt das ausdrücklich.
Muss ich meinem Baby früh Erdnuss geben?
In Deutschland gibt es dafür keine allgemeine Empfehlung. Hat dein Baby Neurodermitis und esst ihr in der Familie regelmäßig Erdnüsse, kann regelmäßiges Erdnussmus im Brei sinnvoll sein. Lass vorher eine Allergie in der Kinderarztpraxis abklären.
Schützt es vor Allergien, wenn ich bestimmte Lebensmittel meide?
Nein. Lebensmittel im ersten Jahr zu meiden, schützt nicht vor Allergien. Das gilt auch für Babys mit erhöhtem Allergierisiko.
Mein Baby hat nach Ei rote Flecken bekommen. Was nun?
Gib Ei vorerst nicht mehr und sprich mit deiner Kinderarztpraxis, bevor du es noch einmal versuchst. Bei Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Rachen oder starker Schlappheit ruf sofort 112.
Ab wann darf mein Baby Kuhmilch trinken?
Als Getränk gegen Ende des ersten Lebensjahres. Im Milch-Getreide-Brei ist Vollmilch schon vorher in Ordnung.
